1.Korinther

Der neue Leib bei der Auf­er­ste­hung!

Der neue Leib bei der Auf­er­ste­hung!

1.Korinther 15, 35–49

“Es könn­te aber jemand fra­gen: Wie wer­den die Toten auf­er­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men? Du Narr: Was du säst, wird nicht leben­dig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern ein blo­ßes Korn, sei es von Wei­zen oder etwas ande­rem. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen sei­nen eige­nen Leib. Nicht alles Fleisch ist das glei­che Fleisch, son­dern ein ande­res Fleisch haben die Men­schen, ein ande­res das Vieh, ein ande­res die Vögel, ein ande­res die Fische. Und es gibt himm­li­sche Kör­per und irdi­sche Kör­per; aber eine ande­re Herr­lich­keit haben die himm­li­schen und eine ande­re die irdi­schen. Einen andern Glanz hat die Son­ne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Ster­ne; denn ein Stern unter­schei­det sich vom andern durch sei­nen Glanz. So auch die Auf­er­ste­hung der Toten. Es wird gesät ver­wes­lich und wird auf­er­ste­hen unver­wes­lich. Es wird gesät in Nied­rig­keit und wird auf­er­ste­hen in Herr­lich­keit. Es wird gesät in Arm­se­lig­keit und wird auf­er­ste­hen in Kraft. Es wird gesät ein natür­li­cher Leib und wird auf­er­ste­hen ein geist­li­cher Leib. Gibt es einen natür­li­chen Leib, so gibt es auch einen geist­li­chen Leib. Wie geschrie­ben steht: Der erste Mensch, Adam, »wur­de zu einem leben­di­gen Wesen« (1.Mose 2,7), und der letz­te Adam zum Geist, der leben­dig macht. Aber der geist­li­che Leib ist nicht der erste, son­dern der natür­li­che; danach der geist­li­che. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zwei­te Mensch ist vom Him­mel. Wie der irdi­sche ist, so sind auch die irdi­schen; und wie der himm­li­sche ist, so sind auch die himm­li­schen. Und wie wir getra­gen haben  das Bild des irdi­schen, so wer­den wir auch tra­gen das Bild des himm­li­schen.”

Nach den exi­sten­zi­el­len Argu­men­ten, nach dem per­sön­li­chen Zeug­nis, nach der Kon­fron­ta­ti­on mit den prak­ti­schen Kon­se­quen­zen, wen­det sich Pau­lus nun einer ande­ren Fra­ge zu. Es ist eine Fra­ge, die Men­schen immer wie­der stel­len, wenn sie von der Auf­er­ste­hung des Lei­bes hören. Eine Fra­ge, die ver­nünf­tig klingt, aber eine Fra­ge, die aus Unglau­ben oder zumin­dest aus Unver­ständ­nis kommt.

„Es könn­te aber jemand fra­gen: Wie wer­den die Toten auf­er­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men?” (1. Korin­ther 15,35). Die Fra­ge ist dop­pelt. Erstens: Wie geschieht die Auf­er­ste­hung? Wel­cher Mecha­nis­mus, wel­cher Pro­zess, wel­ches Gesche­hen bringt die Toten zurück ins Leben? Zwei­tens: Mit was für einem Leib? Ist es der­sel­be Leib, der gestor­ben und ver­west ist? Oder ist es ein ande­rer Leib? Und wenn es ein ande­rer Leib ist, wie hängt er mit dem alten Leib zusam­men? Das sind legi­ti­me Fra­gen. Sie zei­gen, dass die Men­schen in Korinth nicht ein­fach blind­gläu­big waren, son­dern nach­dach­ten, hin­ter­frag­ten, ver­ste­hen woll­ten. Aber Pau­lus’ Ant­wort ist zunächst über­ra­schend scharf: „Du Narr!” (1. Korin­ther 15,36). Die Ant­wort des Pau­lus – „Du Narr!“ – zeigt, dass die Apo­stel kla­re Wor­te spra­chen, nicht um jeman­den abzu­wer­ten oder zu belei­di­gen, sondern um geist­li­che Blind­heit auf­zu­decken. Pau­lus greift nicht zur Beschimp­fung, son­dern zur geist­li­chen Dia­gno­se. Er nennt den Fra­gen­den „aphron“ – unver­stän­dig, ohne Ein­sicht –, weil die Fra­ge selbst offen­bart, dass der Mensch die Wirk­lich­keit Got­tes nur mit den Kate­go­rien die­ser Welt misst. Wer die Auf­er­ste­hung mit rein irdi­scher Logik erklä­ren will, hat das Ent­schei­den­de noch nicht begrif­fen.

Und genau hier wird der Kon­trast zu unse­rer Zeit sicht­bar. Heu­te wür­de man für sol­che Wor­te ver­mut­lich eine Anzei­ge ris­kie­ren. Man­che Chri­sten wür­den sich empört abwen­den und sagen: „So etwas darf man nicht sagen. Gott ist Lie­be.“ Doch gera­de weil Gott Lie­be ist, spricht er die Wahr­heit; auch wenn sie scharf ist. Lie­be ver­schweigt nicht, was uns zer­stört. Lie­be dul­det nicht, dass wir in fal­schen Vor­stel­lun­gen ver­har­ren. Lie­be ruft zur Umkehr, nicht zur Selbst­be­stä­ti­gung. Die Apo­stel wuss­ten: Wer geist­lich schläft, braucht kei­nen sanf­ten Applaus, son­dern einen Weck­ruf. Und manch­mal klingt ein Weck­ruf wie: „Du Narr!“ – nicht um zu ver­let­zen, son­dern um auf­zu­rüt­teln, damit der Mensch end­lich sieht, was Gott vor sei­nen Augen tut.

Pau­lus sagt: „Was du säst, wird nicht leben­dig, wenn es nicht stirbt” (1. Korin­ther 15,36). Pau­lus ver­weist auf ein all­täg­li­ches Phä­no­men, das jeder kennt, der jemals etwas gepflanzt hat. Ein Samen muss in die Erde gelegt wer­den. Er muss dort lie­gen, muss schein­bar ster­ben, muss ver­ge­hen, damit etwas Neu­es ent­ste­hen kann. Wenn man einen Wei­zen­korn in der Hand behält, bleibt es ein Wei­zen­korn. Es ver­än­dert sich nicht, es wächst nicht, es bringt kei­ne Frucht. Erst wenn man es in die Erde legt, wenn man es sozu­sa­gen auf­gibt, wenn man es los­lässt, geschieht das Wun­der: Es keimt, es wächst, es bringt neue Frucht. Das Ster­ben des Samens ist die Vor­aus­set­zung für neu­es Leben. Ohne Tod kei­ne Auf­er­ste­hung, ohne Ver­ge­hen kein neu­es Wer­den. Das gilt für die Natur, und das gilt auch für die Auf­er­ste­hung der Toten. Der Leib muss ster­ben, muss in die Erde gelegt wer­den, muss ver­we­sen, damit der Auf­er­ste­hungs­leib ent­ste­hen kann.

Und genau hier zeigt sich ein schmerz­li­cher Wider­spruch unse­res heu­ti­gen Christ­seins. Vie­le Chri­sten sagen, sie wol­len zu Chri­stus; aber sie wol­len nicht ster­ben. Sie seh­nen sich nach dem Him­mel, aber sie klam­mern sich an die Erde. Sie reden von der Ewig­keit, aber sie hän­gen mit aller Kraft am Ver­gäng­li­chen. Und so tun sie alles, was medi­zi­nisch, tech­nisch oder orga­ni­sa­to­risch mög­lich ist, um die­ses Leben um jeden Preis zu ver­län­gern. Nicht aus Dank­bar­keit für das Leben, son­dern aus Angst vor dem Ster­ben. Doch wer so lebt, zeigt, dass er die Logik des Samens nicht ver­stan­den hat. Chri­stus ruft uns nicht dazu auf, das Leben leicht­fer­tig weg­zu­wer­fen; aber er ruft uns dazu auf, es nicht zu ver­göt­zen. Das täg­li­che Ster­ben bedeu­tet nicht, den Tod zu suchen, son­dern Chri­stus zu ver­trau­en. Es bedeu­tet, das Leben nicht fest­zu­hal­ten wie ein Besitz, son­dern es hin­zu­ge­ben wie einen Samen, der in Got­tes Hand Frucht bringt. Wer das Leben um jeden Preis behal­ten will, ver­liert es. Wer es Chri­stus anver­traut, gewinnt es – jetzt und in Ewig­keit.

Und Pau­lus fährt fort: „Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern ein blo­ßes Korn, sei es von Wei­zen oder etwas ande­rem” (1. Korin­ther 15,37). Hier liegt der ent­schei­den­de Punkt. Was man sät, ist nicht das, was wächst. Man sät ein klei­nes, har­tes, unschein­ba­res Korn. Was wächst, ist eine Pflan­ze, mit Halm und Blät­tern und Ähren. Das Korn und die Pflan­ze sind nicht iden­tisch im Sin­ne von völ­lig gleich. Aber sie sind auch nicht völ­lig ver­schie­den. Es gibt Kon­ti­nui­tät und Dis­kon­ti­nui­tät zugleich. Die Kon­ti­nui­tät: Die Pflan­ze kommt aus dem Korn. Sie ist nicht etwas völ­lig Frem­des, son­dern die Ent­wick­lung, die Ent­fal­tung, die Ver­wirk­li­chung des­sen, was im Korn ange­legt war. Die Dis­kon­ti­nui­tät: Die Pflan­ze sieht ganz anders aus als das Korn. Sie ist grö­ßer, kom­ple­xer, herr­li­cher. Man wür­de nicht auf den ersten Blick sehen, dass sie aus die­sem klei­nen Korn gekom­men ist.

„Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen sei­nen eige­nen Leib” (1. Korin­ther 15,38). Das ist der theo­lo­gi­sche Kern. Es ist Gott, der den neu­en Leib gibt. Es ist nicht ein natür­li­cher Pro­zess, der auto­ma­tisch abläuft. Es ist nicht Evo­lu­ti­on, nicht Ent­wick­lung im bio­lo­gi­schen Sin­ne. Es ist Schöp­fung, Neu­schöp­fung, gött­li­ches Han­deln. Gott gibt jedem Samen den Leib, der zu ihm gehört, der ihm ent­spricht, der aus ihm wer­den soll. Das bedeu­tet: Die Auf­er­ste­hung ist nicht mecha­nisch, nicht vor­her­sag­bar, nicht kal­ku­lier­bar. Sie ist Got­tes sou­ve­rä­nes Han­deln. Er ent­schei­det, wie der Auf­er­ste­hungs­leib sein wird. Aber sei­ne Ent­schei­dung ist nicht will­kür­lich. Er gibt jedem Samen sei­nen eige­nen Leib. Es gibt eine Ent­spre­chung, eine Ange­mes­sen­heit, eine inne­re Logik. Aus Wei­zen wächst Wei­zen, nicht Ger­ste. Aus einem mensch­li­chen Leib wird ein mensch­li­cher Auf­er­ste­hungs­leib, nicht etwas völ­lig ande­res.

Pau­lus will damit sagen: Die Auf­er­ste­hung ist eben­so indi­vi­du­ell wie schöp­fe­risch. Gott gibt jedem Men­schen einen Auf­er­ste­hungs­leib, der wirk­lich zu ihm gehört – nicht als Kopie des alten Lei­bes, aber auch nicht als etwas völ­lig Frem­des. So wie ein Same und die dar­aus wach­sen­de Pflan­ze zusam­men­ge­hö­ren und doch nicht iden­tisch sind, so ver­hält es sich auch mit unse­rem jet­zi­gen Leib und dem kom­men­den Leib. Der Auf­er­ste­hungs­leib ist nicht ein­fach eine „Repa­ra­tur“ des alten Kör­pers, son­dern eine Neu­schöp­fung, die aus dem Alten her­vor­geht und doch unend­lich dar­über hin­aus­geht. Gott selbst ent­schei­det, wie die­ser Leib sein wird – und weil er der Schöp­fer ist, wird die­ser Leib voll­kom­men zu unse­rer Iden­ti­tät pas­sen, zu dem Men­schen, den Gott in Chri­stus voll­endet. Das macht die Auf­er­ste­hung nicht unver­ständ­lich, son­dern wun­der­bar: Sie ist kein bio­lo­gi­scher Auto­ma­tis­mus, son­dern ein per­sön­li­ches Werk Got­tes an jedem Ein­zel­nen.

Pau­lus führt nun meh­re­re Ana­lo­gien an, um die Viel­falt und Ver­schie­den­heit der Leib­lich­keit zu zei­gen: „Nicht alles Fleisch ist das glei­che Fleisch, son­dern ein ande­res Fleisch haben die Men­schen, ein ande­res das Vieh, ein ande­res die Vögel, ein ande­res die Fische” (1. Korin­ther 15,39). Es gibt ver­schie­de­ne Arten von Leib­lich­keit, alle von Gott geschaf­fen, alle ihrer Art ent­spre­chend, aber ver­schie­den. Ein Mensch hat ande­res Fleisch als ein Tier, ein Vogel ande­res als ein Fisch. Sie sind alle leib­lich, aber ihre Leib­lich­keit ist jeweils anders gestal­tet. „Und es gibt himm­li­sche Kör­per und irdi­sche Kör­per; aber eine ande­re Herr­lich­keit haben die himm­li­schen und eine ande­re die irdi­schen” (1. Korin­ther 15,40). Die Ver­schie­den­heit reicht über die irdi­sche Schöp­fung hin­aus. Es gibt himm­li­sche Kör­per – die Gestir­ne, Son­ne, Mond, Ster­ne – und irdi­sche Kör­per. Bei­de haben Herr­lich­keit, aber eine unter­schied­li­che Herr­lich­keit. Das grie­chi­sche Wort doxa bedeu­tet Herr­lich­keit, Glanz, Pracht, Schön­heit. Jedes Geschöpf hat sei­ne eige­ne Herr­lich­keit, die ihm ent­spricht.

„Einen andern Glanz hat die Son­ne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Ster­ne; denn ein Stern unter­schei­det sich vom andern durch sei­nen Glanz” (1. Korin­ther 15,41). Sogar inner­halb der himm­li­schen Kör­per gibt es Unter­schie­de. Die Son­ne leuch­tet anders als der Mond. Die Ster­ne unter­schei­den sich von­ein­an­der. Jeder hat sei­nen eige­nen Glanz, sei­ne eige­ne Herr­lich­keit. Das ist kei­ne Hier­ar­chie im Sin­ne von bes­ser oder schlech­ter, son­dern Viel­falt, Fül­le, Reich­tum der Schöp­fung. Was will Pau­lus mit die­sen Ana­lo­gien sagen? Er will zei­gen, dass Gott fähig ist, ver­schie­de­ne Arten von Leib­lich­keit zu schaf­fen, dass Leib­lich­keit nicht auf eine ein­zi­ge Form fest­ge­legt ist, dass es durch­aus mög­lich ist, dass der Auf­er­ste­hungs­leib anders ist als der irdi­sche Leib und doch ein ech­ter, wirk­li­cher, leib­li­cher Leib.

„So auch die Auf­er­ste­hung der Toten” (1. Korin­ther 15,42). Nun wen­det Pau­lus die Ana­lo­gie des Samens direkt auf die Auf­er­ste­hung an. Was folgt, ist eine Rei­he von Gegen­sät­zen, die den Unter­schied zwi­schen dem irdi­schen Leib und dem Auf­er­ste­hungs­leib beschrei­ben.

„Es wird gesät ver­wes­lich und wird auf­er­ste­hen unver­wes­lich” (1. Korin­ther 15,42). Der irdi­sche Leib ist ver­wes­lich, ver­gäng­lich, sterb­lich. Er altert, wird schwach, erkrankt, stirbt, ver­west. Das ist die Rea­li­tät, die jeder kennt. Der Auf­er­ste­hungs­leib ist unver­wes­lich. Er unter­liegt nicht mehr dem Ver­fall, der Zer­set­zung, dem Tod. Er ist dau­er­haft, bestän­dig, ewig.

„Es wird gesät in Nied­rig­keit und wird auf­er­ste­hen in Herr­lich­keit” (1. Korin­ther 15,43). Der irdi­sche Leib ist nied­rig, unschein­bar, begrenzt. Er hat Wür­de, gewiss, aber er ist auch beschränkt, ver­wund­bar, schwach. Der Auf­er­ste­hungs­leib wird in Herr­lich­keit auf­er­ste­hen. Er wird teil­ha­ben an der doxa, an der Herr­lich­keit Got­tes. Er wird leuch­ten, strah­len, schön sein in einer Wei­se, die den irdi­schen Leib über­trifft.

„Es wird gesät in Arm­se­lig­keit und wird auf­er­ste­hen in Kraft” (1. Korin­ther 15,43). Der irdi­sche Leib ist arm­se­lig, schwach, kraft­los. Das grie­chi­sche Wort asthe­neia bedeu­tet Schwach­heit, Gebrech­lich­keit, Kraft­lo­sig­keit. Der Leib ermü­det, hun­gert, dür­stet, friert, schmerzt. Er ist begrenzt in sei­ner Lei­stungs­fä­hig­keit. Der Auf­er­ste­hungs­leib wird in Kraft auf­er­ste­hen. Er wird nicht mehr den Beschrän­kun­gen unter­lie­gen, die den irdi­schen Leib bestim­men. Er wird vol­ler Ener­gie, vol­ler Leben, vol­ler Kraft sein.

„Es wird gesät ein natür­li­cher Leib und wird auf­er­ste­hen ein geist­li­cher Leib” (1. Korin­ther 15,44). Das ist der zen­tra­le Gegen­satz. Der irdi­sche Leib ist ein natür­li­cher Leib – wört­lich ein psy­chi­scher Leib, ein Leib, der von der psy­che, der See­le, dem natür­li­chen Leben beseelt ist. Der Auf­er­ste­hungs­leib ist ein geist­li­cher Leib – ein Leib, der vom pneu­ma, vom Geist Got­tes, durch­drun­gen und bestimmt ist. Das Wort „geist­lich” darf hier nicht miss­ver­stan­den wer­den. Es bedeu­tet nicht imma­te­ri­ell, nicht kör­per­los, nicht unkör­per­lich. Ein geist­li­cher Leib ist nicht weni­ger leib­lich als ein natür­li­cher Leib. Er ist sogar mehr leib­lich, weil er die Fül­le der Leib­lich­keit ver­wirk­licht, die Gott inten­diert hat. Er ist geist­lich in dem Sin­ne, dass er vom Geist Got­tes geprägt ist, dass er gehorcht, dass er durch­sich­tig ist für Got­tes Gegen­wart, dass er Werk­zeug und Aus­druck des Gei­stes ist.

Ein Blick auf die Auf­er­ste­hung Jesu selbst macht das noch deut­li­cher. Auch bei Jesus war der Auf­er­ste­hungs­leib der­sel­be – und doch völ­lig ver­wan­delt. Maria Mag­da­le­na erkann­te ihn zunächst nicht im Gar­ten; erst als er sie beim Namen rief, gin­gen ihr die Augen auf. Die Jün­ger auf dem Weg nach Emma­us gin­gen stun­den­lang mit ihm, hör­ten sei­ne Stim­me, spür­ten sei­ne Gegen­wart – und doch erkann­ten sie ihn erst beim Bre­chen des Bro­tes. Jesus war nicht ein Geist, nicht eine Visi­on, nicht eine Ein­bil­dung. Er aß mit ihnen, zeig­te sei­ne Wun­den, ließ sich berüh­ren. Und den­noch war er nicht mehr an die Gren­zen des alten Lei­bes gebun­den: Er erschien in ver­schlos­se­nen Räu­men, ver­schwand vor ihren Augen, war gegen­wär­tig in einer Wei­se, die der alte Leib nicht kann­te. Genau das meint Pau­lus mit „geist­li­cher Leib“: ein Leib, der real, greif­bar, iden­tisch ist – und doch durch­drun­gen vom Geist Got­tes, frei von Ver­gäng­lich­keit, frei von Schwach­heit, frei von den Begren­zun­gen des alten Lebens. Jesu Auf­er­ste­hungs­leib ist das Muster, die Vor­schau, die Ver­hei­ßung des­sen, was auch wir emp­fan­gen wer­den.

„Gibt es einen natür­li­chen Leib, so gibt es auch einen geist­li­chen Leib” (1. Korin­ther 15,44). Die Logik ist ein­fach: Wenn Gott eine Art von Leib­lich­keit geschaf­fen hat, kann er auch eine ande­re Art schaf­fen. Wenn es einen natür­li­chen Leib gibt, der für das irdi­sche Leben geeig­net ist, dann kann es auch einen geist­li­chen Leib geben, der für das himm­li­sche Leben geeig­net ist. „Wie geschrie­ben steht: Der erste Mensch, Adam, wur­de zu einem leben­di­gen Wesen, und der letz­te Adam zum Geist, der leben­dig macht” (1. Korin­ther 15,45). Pau­lus zitiert 1.Mose 2,7, wo Gott den Men­schen aus Staub formt und ihm den Lebens­atem ein­bläst, so dass er ein leben­di­ges Wesen wird. Adam wur­de ein psy­chi­sches Wesen, ein Wesen mit natür­li­chem Leben, mit See­le, mit Bewusst­sein. Aber er war sterb­lich, begrenzt, dem Ver­fall unter­wor­fen. Der letz­te Adam – das ist Chri­stus – ist etwas ande­res. Er ist nicht nur ein leben­di­ges Wesen, son­dern Geist, der leben­dig macht. Er hat nicht nur Leben, er gibt Leben. Er ist nicht nur beseelt, er ist die Quel­le des geist­li­chen Lebens. Durch sei­ne Auf­er­ste­hung ist er zum leben­dig­ma­chen­den Geist gewor­den, der ande­re in sein Auf­er­ste­hungs­le­ben hin­ein­nimmt.

„Aber der geist­li­che Leib ist nicht der erste, son­dern der natür­li­che; danach der geist­li­che” (1. Korin­ther 15,46). Die Rei­hen­fol­ge ist wich­tig. Gott hat zuerst den natür­li­chen Leib geschaf­fen, dann den geist­li­chen. Zuerst Adam, dann Chri­stus. Zuerst das Irdi­sche, dann das Himm­li­sche. Das ist nicht Zufall, son­dern gött­li­che Ord­nung. Gott führt sei­ne Schöp­fung vom Anfäng­li­chen zum Voll­ende­ten, vom Vor­läu­fi­gen zum End­gül­ti­gen, vom Irdi­schen zum Himm­li­schen. „Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zwei­te Mensch ist vom Him­mel” (1. Korin­ther 15,47). Adam ist aus Erde gemacht, ist irdisch in sei­nem Ursprung und sei­nem Wesen. Das ist nicht nega­tiv gemeint, aber es zeigt sei­ne Begren­zung. Chri­stus, der zwei­te Mensch, ist vom Him­mel. Er ist nicht aus Erde gemacht, son­dern von Gott gesandt. Er gehört nicht pri­mär der Erde an, son­dern dem Him­mel. Er bringt das Himm­li­sche ins Irdi­sche hin­ein.

„Wie der irdi­sche ist, so sind auch die irdi­schen; und wie der himm­li­sche ist, so sind auch die himm­li­schen” (1. Korin­ther 15,48). Hier wird die Zuge­hö­rig­keit, die Teil­ha­be deut­lich. Alle Men­schen sind zunächst wie Adam: irdisch, ver­gäng­lich, sterb­lich. Sie tra­gen das Bild des Irdi­schen. Aber die, die zu Chri­stus gehö­ren, wer­den wie er sein: himm­lisch, unver­gäng­lich, unsterb­lich. Sie wer­den das Bild des Himm­li­schen tra­gen. „Und wie wir getra­gen haben das Bild des irdi­schen, so wer­den wir auch tra­gen das Bild des himm­li­schen” (1. Korin­ther 15,49). Das ist Ver­hei­ßung und Hoff­nung. Wir haben das Bild Adams getra­gen – den ver­gäng­li­chen, schwa­chen, sterb­li­chen Leib. Aber wir wer­den das Bild Chri­sti tra­gen – den ver­herr­lich­ten, kraft­vol­len, unver­gäng­li­chen Leib. Das ist nicht Wunsch­den­ken, son­dern Gewiss­heit, gegrün­det auf die Auf­er­ste­hung Chri­sti, wenn wir dar­an glau­ben und den Ver­hei­ßun­gen der Hei­li­gen Schrift fest­hal­ten.

Die Trans­for­ma­ti­on ist voll­stän­dig. Es ist nicht nur eine Repa­ra­tur des alten Lei­bes, nicht nur eine Wie­der­her­stel­lung, nicht nur eine Hei­lung. Es ist eine radi­ka­le Ver­wand­lung, eine Neu­schöp­fung, ein Über­gang von einer Art der Leib­lich­keit zu einer ande­ren. Und doch gibt es Kon­ti­nui­tät. Es ist der­sel­be Mensch, die­sel­be Per­son, die­sel­be Iden­ti­tät. Aber in einer neu­en, ver­herr­lich­ten, voll­ende­ten Gestalt. Das ist die Ant­wort auf die Fra­ge: „Wie wer­den die Toten auf­er­ste­hen und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men?” Sie wer­den auf­er­ste­hen durch Got­tes schöp­fe­ri­sche Kraft. Und sie wer­den kom­men mit einem Leib, der anders ist als der irdi­sche Leib – unver­wes­lich statt ver­wes­lich, herr­lich statt nied­rig, kraft­voll statt schwach, geist­lich statt natür­lichund doch ein ech­ter, wirk­li­cher, leib­li­cher Leib. Ein Leib, der dem himm­li­schen Leben ent­spricht, wie der irdi­sche Leib dem irdi­schen Leben ent­sprach. Ein Leib nach dem Bild Chri­sti, des Auf­er­stan­de­nen, des leben­dig machen­den Gei­stes.

Die­se Visi­on gibt dem Leben neue Per­spek­ti­ve. Der irdi­sche Leib ist nicht wert­los, aber er ist vor­läu­fig. Er ist der Samen, aus dem der Auf­er­ste­hungs­leib wächst. Wie man lebt, wie man den Leib behan­delt, hat Bedeu­tung, nicht weil die­ser Leib ewig ist, son­dern weil er der Aus­gangs­punkt für die Auf­er­ste­hung ist. Was gesät wird, das wird auf­er­ste­hen – ver­wan­delt, ver­herr­licht, voll­endet, aber nicht aus­ge­löscht. Die Iden­ti­tät bleibt, die Per­son bleibt, aber in einer neu­en, unver­gäng­li­chen Herr­lich­keit.

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