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Die lau­te­sten Pre­di­ger sind oft die lei­se­sten Gläu­bi­gen!

Die lau­te­sten Pre­di­ger sind oft die lei­se­sten Gläu­bi­gen!

In der christ­li­chen Welt begeg­nen uns immer wie­der Men­schen, die mit beein­drucken­der Elo­quenz und gro­ßer Über­zeu­gungs­kraft über den Glau­ben spre­chen kön­nen. Sie beherr­schen die theo­lo­gi­sche Spra­che per­fekt, ken­nen die Bibel schein­bar aus­wen­dig und kön­nen stun­den­lang über geist­li­che Wahr­hei­ten refe­rie­ren. Doch bei genaue­rer Betrach­tung ihres Lebens stellt sich manch­mal eine beun­ru­hi­gen­de Dis­kre­panz her­aus: Die Laut­stär­ke ihrer Wor­te steht in kei­nem Ver­hält­nis zur Tie­fe ihres per­sön­li­chen Glau­bens­le­bens. Die­se Beob­ach­tung ist kei­nes­wegs neu, son­dern zieht sich wie ein roter Faden durch die gesam­te Geschich­te des Glau­bens und wird bereits in der Hei­li­gen Schrift an zahl­rei­chen Stel­len the­ma­ti­siert. Jesus selbst warn­te sei­ne Jün­ger ein­dring­lich vor die­ser gefähr­li­chen Kluft zwi­schen Wor­ten und Taten, zwi­schen öffent­li­cher Fröm­mig­keit und pri­va­ter Got­tes­furcht.

Die Pha­ri­sä­er zur Zeit Jesu waren das klas­si­sche Bei­spiel für Men­schen, die nach außen hin reli­gi­ös beein­druckend wirk­ten, deren Her­zen aber weit von Gott ent­fernt waren. Sie kann­ten das Gesetz bis ins klein­ste Detail, dis­ku­tier­ten theo­lo­gi­sche Fein­hei­ten mit Lei­den­schaft und stell­ten ihre Fröm­mig­keit zur Schau, wo immer sich eine Gele­gen­heit bot. Jesus kon­fron­tier­te sie mit schar­fen Wor­ten: “Weh euch, Schrift­ge­lehr­te und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler, die ihr seid wie die über­tünch­ten Grä­ber, die von außen hübsch aus­se­hen, aber innen sind sie vol­ler Toten­ge­bei­ne und lau­ter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Men­schen fromm, aber innen seid ihr vol­ler Heu­che­lei und Unrecht” (Mat­thä­us 23,27–28). Die­se har­ten Wor­te rich­ten sich gegen eine Reli­gio­si­tät, die mehr auf äuße­re Erschei­nung als auf inne­re Wirk­lich­keit Wert legt.

Das Pro­blem liegt nicht in der Fähig­keit zu pre­di­gen oder über den Glau­ben zu spre­chen. Die­se Gaben sind wich­tig und not­wen­dig für die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums. Das Pro­blem ent­steht, wenn die Fähig­keit zur elo­quen­ten Rede zum Ersatz für ech­te Glau­bens­pra­xis wird. Wenn das Reden über Gott die Gemein­schaft mit Gott ersetzt, wenn theo­lo­gi­sches Wis­sen die per­sön­li­che Bezie­hung zu Jesus Chri­stus ver­drängt, wenn die Pre­digt zur Per­for­mance wird statt zum Über­lau­fen eines von Gott erfüll­ten Her­zens. Pau­lus warn­te die Korin­ther: “Wenn ich mit Men­schen- und mit Engel­zun­gen rede­te und hät­te die Lie­be nicht, so wäre ich ein tönen­des Erz oder eine klin­gen­de Schel­le” (1. Korin­ther 13,1). Die schön­ste Rhe­to­rik ist wert­los, wenn sie nicht aus einem Her­zen fließt, das von Got­tes Lie­be erfüllt und ver­wan­delt ist.

Die Ver­su­chung zur Heu­che­lei ist beson­ders groß für die­je­ni­gen, die in der christ­li­chen Öffent­lich­keit ste­hen. Pasto­ren, Pre­di­ger, Gemein­de­lei­ter und christ­li­che Influen­cer befin­den sich in einer Posi­ti­on, in der von ihnen erwar­tet wird, dass sie geist­li­che Wahr­hei­ten ver­mit­teln und ande­re im Glau­ben anlei­ten. Die­se Erwar­tungs­hal­tung kann einen enor­men Druck erzeu­gen, immer das rich­ti­ge zu sagen, immer die pas­sen­de Bibel­stel­le parat zu haben und stets als geist­li­ches Vor­bild zu funk­tio­nie­ren. In die­sem Umfeld kann es gesche­hen, dass Men­schen ler­nen, eine Rol­le zu spie­len statt authen­tisch zu leben. Sie ent­wickeln eine öffent­li­che Per­so­na, die zwar beein­druckend wirkt, aber nicht ihrem wah­ren inne­ren Zustand ent­spricht. Das pri­va­te Gebets­le­ben ver­küm­mert, wäh­rend die öffent­li­chen Gebe­te immer elo­quen­ter wer­den. Die per­sön­li­che Bibellese wird ver­nach­läs­sigt, wäh­rend die Pre­digt­vor­be­rei­tung pro­fes­sio­nel­ler wird. Die Bezie­hung zu Gott wird nicht mehr von ech­ter Gemein­schaft getra­gen, son­dern auf rei­ne Pflicht­er­fül­lung redu­ziert

Jesus hin­ge­gen leb­te genau das Gegen­teil. Sei­ne öffent­li­che Leh­re ent­sprang sei­nem pri­va­ten Leben mit dem Vater. Er zog sich regel­mä­ßig zurück, um im Ver­bor­ge­nen zu beten. Mar­kus berich­tet: “Und am Mor­gen, noch vor Tage, stand er auf und ging hin­aus. Und er ging an eine ein­sa­me Stät­te und bete­te dort” (Mar­kus 1,35). Die­se Prio­ri­tät präg­te sein gesam­tes Wir­ken. Sei­ne Wor­te hat­ten Voll­macht, weil sie aus einer tie­fen Ver­bun­den­heit mit Gott her­aus gespro­chen wur­den. Sei­ne Taten bestä­tig­ten sei­ne Leh­re, weil bei­des aus der­sel­ben Quel­le schöpf­te. Er sag­te nichts, was er nicht auch leb­te, und er leb­te nichts, was er nicht auch lehr­te. Die­se Über­ein­stim­mung zwi­schen Wort und Tat, zwi­schen öffent­li­chem Auf­tre­ten und pri­va­tem Leben, zwi­schen Pre­digt und geleb­ter Pra­xis ist das Kenn­zei­chen ech­ter geist­li­cher Auto­ri­tät.

Die Hei­li­ge Schrift macht deut­lich, dass Gott nicht auf die Laut­stär­ke unse­rer Wor­te ach­tet, son­dern auf die Auf­rich­tig­keit unse­res Her­zens. Samu­el lern­te die­se Lek­ti­on, als er die Söh­ne Isais betrach­te­te und beein­druckt war von ihrer äuße­ren Erschei­nung. Gott kor­ri­gier­te ihn: “Sieh nicht an sein Aus­se­hen und sei­nen hohen Wuchs; ich habe ihn ver­wor­fen. Denn nicht sieht der Herr auf das, wor­auf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an” (1. Samu­el 16,7). Men­schen kön­nen sich von elo­quen­ten Reden beein­drucken las­sen, von theo­lo­gi­schem Wis­sen blen­den las­sen und von cha­ris­ma­ti­schen Auf­trit­ten fas­zi­nie­ren las­sen. Gott aber prüft das Herz und sieht, ob dort ech­te Hin­ga­be, wah­re Demut und auf­rich­ti­ge Lie­be zu fin­den sind.

Und genau hier lau­ert eine gro­ße Gefahr – eine Gefahr, die heu­te grö­ßer ist als je zuvor. Wie vie­le Chri­sten las­sen sich von glän­zen­den Wor­ten, star­ken Per­sön­lich­kei­ten und per­fek­ten Auf­trit­ten in den sozia­len Netz­wer­ken blen­den. Da tre­ten Pre­di­ger auf, die alles wis­sen, alles erklä­ren, alles beant­wor­ten. Sie spre­chen laut, selbst­be­wusst, über­zeu­gend – und doch fehlt manch­mal das, was Gott wirk­lich sieht: ein demü­ti­ges Herz. Vie­le las­sen sich ver­füh­ren, nicht weil sie böse wären, son­dern weil sie beein­druckt sind. Weil sie Sehn­sucht haben. Weil sie Ori­en­tie­rung suchen. Aber nicht jede Stim­me, die laut ist, ist von Gott. Nicht jeder, der die Bibel zitiert, lebt aus ihr. Nicht jeder, der über Chri­stus redet, kennt ihn wirk­lich. Und des­halb brau­chen wir mehr denn je das, was Samu­el ler­nen muss­te: Gott sieht das Herz. Und wir müs­sen ler­nen, wie­der auf das zu ach­ten, wor­auf Gott ach­tet – nicht auf die Laut­stär­ke, son­dern auf die Lau­ter­keit. Nicht auf die Show, son­dern auf die Hin­ga­be. Nicht auf die Büh­ne, son­dern auf die Treue.

Die Geschich­te der christ­li­chen Kir­che ist lei­der reich an Bei­spie­len von Men­schen, die bril­lan­te Pre­di­ger waren, deren per­sön­li­ches Leben aber in kras­sem Wider­spruch zu ihrer Ver­kün­di­gung stand. Eini­ge von ihnen wur­den ent­larvt und fie­len spek­ta­ku­lär, ande­re behiel­ten ihre Mas­ke bis zum Ende. Doch unab­hän­gig davon, ob die Heu­che­lei auf­ge­deckt wird oder nicht, ist der Scha­den immens. Zunächst wird Gott selbst ent­ehrt, wenn sein Name von Men­schen in den Mund genom­men wird, die ihn nicht wirk­lich ken­nen oder ehren. Dann wird die Gemein­de getäuscht und in die Irre geführt, wenn sie fal­schen Vor­bil­dern folgt. Schließ­lich wird das Zeug­nis des Evan­ge­li­ums in der Welt beschä­digt, wenn Ungläu­bi­ge die Heu­che­lei durch­schau­en und das Chri­sten­tum als Gan­zes ableh­nen.

Inter­es­san­ter­wei­se waren vie­le der bedeu­tend­sten geist­li­chen Gestal­ten der Kir­chen­ge­schich­te kei­ne gro­ßen Red­ner. Mose bei­spiels­wei­se klag­te vor Gott: “Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt gewe­sen, auch jetzt nicht, seit­dem du mit dei­nem Knecht redest; denn ich habe eine schwe­re Spra­che und eine schwe­re Zun­ge” (2. Mose 4,10). Trotz­dem gebrauch­te Gott ihn auf mäch­ti­ge Wei­se, weil sein Herz auf­rich­tig war und er im Gehor­sam leb­te. Der Pro­phet Jere­mia fühl­te sich jung und unfä­hig zu reden, wur­de aber zu einem der ein­fluss­reich­sten Pro­phe­ten Isra­els. Pau­lus selbst scheint kein beson­ders beein­drucken­der Red­ner gewe­sen zu sein, denn er schrieb an die Korin­ther über sei­ne Kri­ti­ker: “Denn sei­ne Brie­fe, sagen sie, wie­gen schwer und sind stark; aber wenn er selbst anwe­send ist, ist er schwach, und sei­ne Rede ist kläg­lich” (2. Korin­ther 10,10). Doch gera­de die­ser Pau­lus wur­de zum größ­ten Mis­sio­nar der frü­hen Kir­che, weil sei­ne Bot­schaft nicht in über­zeu­gen­den Wor­ten mensch­li­cher Weis­heit bestand, son­dern in Erwei­sung des Gei­stes und der Kraft.

Das lei­se Glau­bens­le­ben zeich­net sich durch bestimm­te Merk­ma­le aus, die oft im Ver­bor­ge­nen blei­ben. Es beinhal­tet ein bestän­di­ges, regel­mä­ßi­ges Gebets­le­ben, das nicht nach Zuhö­rern sucht. Es zeigt sich in einem hung­ri­gen Stu­di­um der Hei­li­gen Schrift, nicht um Pre­dig­ten vor­zu­be­rei­ten, son­dern um selbst von Gott zu hören. Es mani­fe­stiert sich in klei­nen Akten der Näch­sten­lie­be, die nie­mand sieht und nie­mand applau­diert. Es offen­bart sich in Augen­blicken der Ver­su­chung, wenn die Per­son allein ist und sich trotz­dem für Gehor­sam ent­schei­det. Es wird sicht­bar in der Bereit­schaft zur Buße, wenn der Hei­li­ge Geist Sün­de auf­deckt. Es zeigt sich im Umgang mit Geld, Zeit und Res­sour­cen, wenn nie­mand zuschaut. Die­se Dimen­sio­nen des Glau­bens­le­bens sind ent­schei­dend, wer­den aber sel­ten öffent­lich gewür­digt oder zur Schau gestellt.

Jesus lehr­te sei­ne Jün­ger bewusst, ihre Fröm­mig­keit nicht zur Schau zu stel­len. In der Berg­pre­digt gab er kla­re Anwei­sun­gen: “Habt aber acht, dass ihr eure Gerech­tig­keit nicht übt vor den Leu­ten, um von ihnen gese­hen zu wer­den; ihr habt sonst kei­nen Lohn bei eurem Vater im Him­mel” (Mat­thä­us 6,1). Er fuhr fort mit kon­kre­ten Bei­spie­len. Beim Almo­sen­ge­ben soll­ten sie nicht posau­nen las­sen, beim Beten soll­ten sie in ihre Kam­mer gehen und die Tür schlie­ßen, beim Fasten soll­ten sie ihr Haupt sal­ben, damit es nie­mand merkt. Die­se Anwei­sun­gen zie­len auf das Herz: Wofür tun wir, was wir tun? Suchen wir die Aner­ken­nung von Men­schen oder die Aner­ken­nung Got­tes? Die lei­se­sten Gläu­bi­gen sind oft die­je­ni­gen, die im Ver­bor­ge­nen leben und deren gute Wer­ke nur Gott sieht, der im Ver­bor­ge­nen sieht und öffent­lich beloh­nen wird.

Es ist wich­tig zu beto­nen, dass das Pro­blem nicht das Pre­di­gen an sich ist. Die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums ist ein zen­tra­ler wich­ti­ger Auf­trag der Gemein­de Jesu. Pau­lus fragt rhe­to­risch: “Wie sol­len sie aber den anru­fen, an den sie nicht glau­ben? Wie sol­len sie aber an den glau­ben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sol­len sie aber hören ohne Pre­di­ger” (Römer 10,14)? Die Gabe der Leh­re und Pre­digt ist eine wich­ti­ge Gei­stes­ga­be, die der Auf­er­bau­ung der Gemein­de dient. Das Pro­blem ent­steht, wenn die­se Gabe von per­sön­li­cher Eitel­keit, Macht­stre­ben oder dem Wunsch nach Aner­ken­nung kor­rum­piert wird. Wenn das Pre­di­gen zum Selbst­zweck wird, wenn es mehr um die Per­for­mance als um die Bot­schaft geht, wenn die Per­son des Pre­di­gers wich­ti­ger wird als die Per­son Chri­sti, dann ist die Gren­ze zur geist­li­chen Gefahr über­schrit­ten.

Die Lösung für die­ses Pro­blem liegt in der bestän­di­gen Selbst­prü­fung vor Gott. David bete­te: “Erfor­sche mich, Gott, und erken­ne mein Herz; prü­fe mich und erken­ne, wie ich es mei­ne. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und lei­te mich auf ewi­gem Wege” (Psalm 139,23–24). Die­se Bereit­schaft, sich von Gott erfor­schen und kor­ri­gie­ren zu las­sen, ist der erste Schritt zur Authen­ti­zi­tät. Es braucht die Demut zu erken­nen, dass wir alle zur Heu­che­lei nei­gen, dass unse­re Her­zen trü­ge­risch sind und dass wir die täg­li­che Rei­ni­gung durch Got­tes Wort und Geist brau­chen. Es erfor­dert die Ehr­lich­keit, zuzu­ge­ben, wenn unser öffent­li­ches Bild nicht mit unse­rer pri­va­ten Wirk­lich­keit über­ein­stimmt.

Ech­te geist­li­che Auto­ri­tät ent­steht nicht durch lau­te Wor­te oder beein­drucken­de Auf­trit­te, son­dern durch ein Leben, das von innen her­aus von Chri­stus geprägt ist. Johan­nes der Täu­fer ist ein wun­der­ba­res Bei­spiel dafür. Er leb­te zurück­ge­zo­gen in der Wüste, trug ein­fa­che Klei­dung und ernähr­te sich von Heu­schrecken und wil­dem Honig. Sei­ne Pre­dig­ten waren nicht geschlif­fen und diplo­ma­tisch, son­dern rau und direkt. Doch die Men­schen ström­ten zu ihm, weil sei­ne Wor­te von inne­rer Auto­ri­tät getra­gen waren. Jesus sag­te über ihn: “Unter allen, die von einer Frau gebo­ren sind, ist kei­ner auf­ge­tre­ten, der grö­ßer ist als Johan­nes der Täu­fer” (Mat­thä­us 11,11). Sei­ne Grö­ße lag nicht in sei­ner Rhe­to­rik, son­dern in sei­ner abso­lu­ten Hin­ga­be an sei­ne Beru­fung und in sei­ner Demut, die sich dar­in zeig­te, dass er über Jesus sag­te: “Er muss wach­sen, ich aber muss abneh­men” (Johan­nes 3,30).

Und genau hier zeigt sich ein bedrücken­der Trend unse­rer Zeit: Bei vie­len Pre­di­gern – und lei­der auch bei vie­len Chri­sten – heißt es heu­te nicht mehr: „Er muss wach­sen, ich aber muss abneh­men“, son­dern das Gegen­teil. Der Pastor muss wach­sen. Die Mar­ke muss wach­sen. Die Reich­wei­te muss wach­sen. Die Fol­lo­wer­zah­len müs­sen stei­gen. Und Chri­stus? Er rückt an den Rand. Er wird zum Stich­wort­ge­ber, zum reli­giö­sen Hin­ter­grund­ge­räusch, zum Eti­kett, das man braucht, um geist­lich aus­zu­se­hen. Vie­le bau­en nicht mehr das Reich Got­tes, son­dern ihr eige­nes klei­nes König­reich. Sie pre­di­gen nicht, damit Chri­stus groß wird, son­dern damit sie selbst groß wir­ken. Und das Tra­gi­sche ist: Vie­le Chri­sten mer­ken es nicht, weil sie beein­druckt sind von Pro­fes­sio­na­li­tät, Elo­quenz und media­ler Prä­senz. Doch ech­te geist­li­che Auto­ri­tät ent­steht nie dort, wo Men­schen sich selbst erhö­hen, son­dern dort, wo Chri­stus erhöht wird – und der Mensch bereit ist, klei­ner zu wer­den.

Die Gemein­de Jesu braucht heu­te mehr denn je Men­schen, die nicht nur gut pre­di­gen kön­nen, son­dern deren Leben die Bot­schaft authen­tisch wider­spie­gelt. In einer Zeit, in der christ­li­che Inhal­te über sozia­le Medi­en mil­lio­nen­fach ver­brei­tet wer­den kön­nen, in der jeder mit einem Smart­phone eine Platt­form hat und in der christ­li­che Berühmt­heit zur Rea­li­tät gewor­den ist, ist die Ver­su­chung zur Selbst­dar­stel­lung grö­ßer denn je. Umso wich­ti­ger ist es, dass wir zu den Wur­zeln ech­ter Spi­ri­tua­li­tät zurück­keh­ren. Dass wir ler­nen, Gott im Ver­bor­ge­nen zu suchen, dass wir uns mehr um unser Sein als um unser Schei­nen küm­mern, dass wir die Stil­le suchen statt des Ram­pen­lichts.

Die War­nung Jesu an die reli­giö­sen Füh­rer sei­ner Zeit gilt auch heu­te: “Alles aber, was sie euch sagen, das tut und hal­tet; aber nach ihren Wer­ken sollt ihr nicht han­deln; denn sie sagen es zwar, tun es aber nicht” (Mat­thä­us 23,3). Das größ­te Zeug­nis für die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums ist nicht eine bril­lan­te Pre­digt, son­dern ein ver­wan­del­tes Leben. Men­schen wer­den nicht pri­mär durch theo­lo­gi­sche Argu­men­te über­zeugt, son­dern durch die sicht­ba­re Rea­li­tät eines Lebens, das von Chri­stus geprägt ist. Die Früch­te des Gei­stes, von denen Pau­lus spricht, also Lie­be, Freu­de, Frie­de, Geduld, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Sanft­mut und Keusch­heit, sind über­zeu­gen­der als die elo­quen­te­ste Rede.

Es ist auch wich­tig zu erken­nen, dass die lei­se­sten Gläu­bi­gen oft die tief­sten sind. Men­schen, die im Ver­bor­ge­nen mit Gott rin­gen, die in der Stil­le sei­ne Stim­me suchen, die gedul­dig auf sei­ne Füh­rung war­ten und die ihr Ver­trau­en auf ihn set­zen, ent­wickeln eine Tie­fe des Glau­bens, die durch kei­ne Rhe­to­rik ersetzt wer­den kann. Sie ken­nen Gott nicht nur theo­re­tisch, son­dern erfah­rungs­mä­ßig. Sie haben gelernt, ihm in dunk­len Zei­ten zu ver­trau­en, wenn kei­ne schnel­len Ant­wor­ten kom­men. Sie haben die Rea­li­tät sei­ner Gegen­wart erlebt, wenn sie allein waren. Ihre Gebe­te sind viel­leicht nicht elo­quent, aber sie sind echt. Ihr Zeug­nis ist viel­leicht nicht poliert, aber es ist authen­tisch.

Die Gefahr des lau­ten Pre­di­gens ohne tie­fes Glau­bens­le­ben liegt auch dar­in, dass es ande­re ent­mu­ti­gen kann. Wenn jun­ge Gläu­bi­ge sehen, dass die lau­te­sten Stim­men in der Gemein­de schein­bar alles im Griff haben, nie Zwei­fel ken­nen und immer die rich­ti­gen Ant­wor­ten parat haben, kön­nen sie sich min­der­wer­tig füh­len. Sie wagen es nicht, ihre eige­nen Kämp­fe, Zwei­fel, Schwä­chen und Sün­den ein­zu­ge­ste­hen, weil sie den­ken, dass ech­ter Glau­be so aus­se­hen müs­se wie bei die­sen schein­bar per­fek­ten Vor­bil­dern. Dabei ist gera­de die Ehr­lich­keit über unse­re Sün­den und Kämp­fe ein Zei­chen ech­ter Rei­fe. Jako­bus ermu­tigt uns: “Bekennt also ein­an­der eure Sün­den und betet für­ein­an­der, dass ihr gesund wer­det” (Jako­bus 5,16).

Letzt­lich geht es um die Fra­ge, wen wir erhe­ben wol­len: uns selbst oder Chri­stus? Johan­nes der Täu­fer hat­te dies ver­stan­den. Als sei­ne Jün­ger eifer­süch­tig wur­den, weil immer mehr Men­schen Jesus folg­ten, ant­wor­te­te er mit den bereits zitier­ten Wor­ten über das Wach­sen und Abneh­men. Ein lei­ser Gläu­bi­ger ist jemand, der gelernt hat, im Schat­ten des Kreu­zes zu leben. Der nicht mehr im Mit­tel­punkt ste­hen muss, weil Chri­stus im Mit­tel­punkt steht. Der nicht mehr bewei­sen muss, wie geist­lich er ist, weil er weiß, dass alle Gerech­tig­keit von Chri­stus kommt. Der nicht mehr mit Wor­ten beein­drucken muss, weil das Leben für sich selbst spricht.

Die Auf­for­de­rung ist also nicht, dass wir auf­hö­ren sol­len zu pre­di­gen oder über unse­ren Glau­ben zu spre­chen. Im Gegen­teil, Petrus ermu­tigt uns: “Seid alle­zeit bereit zur Ver­ant­wor­tung vor jeder­mann, der von euch Rechen­schaft for­dert über die Hoff­nung, die in euch ist” (1. Petrus 3,15). Die Auf­for­de­rung ist viel­mehr, dass unse­re Wor­te aus einem auf­rich­ti­gen Her­zen flie­ßen sol­len, dass unser öffent­li­ches Bekennt­nis mit unse­rem pri­va­ten Leben über­ein­stim­men soll und dass wir mehr Ener­gie in unse­re Bezie­hung zu Gott inve­stie­ren sol­len als in unse­re Repu­ta­ti­on vor Men­schen. Die Welt braucht nicht mehr reli­giö­se Enter­tai­ner oder theo­lo­gi­sche Rhe­to­ri­ker. Sie braucht authen­ti­sche Nach­fol­ger Jesu, deren Leben die ver­wan­deln­de Kraft des Evan­ge­li­ums bezeugt.

Mögen wir ler­nen, lei­se Gläu­bi­ge zu sein, die laut lie­ben. Mögen wir Men­schen wer­den, die weni­ger reden und mehr beten, die weni­ger debat­tie­ren und mehr die­nen, die weni­ger pre­di­gen und mehr leben. Mögen wir ver­ste­hen, dass die Laut­stär­ke unse­rer Wor­te bedeu­tungs­los ist, wenn die Tie­fe unse­res Glau­bens fehlt, und dass Gott nicht nach elo­quen­ten Red­nern sucht, son­dern nach gehor­sa­men Her­zen.

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